Neukirchen-Vluyn · Die Rollende Waldschule der Kreisjägerschaft Wesel besuchte im Ortsteil Neukirchen die Tersteegenschule II. Zum Unterricht kam ein Pirschgang, der die Drittklässler in die Dong führte. So interessant war der Ausflug in den Wald.
Von Sabine Hannemann
Punkt 9 Uhr rücken die beiden 3. Klassen der Neukirchener Tersteegenschule an. Ihr Ziel ist das kleine Wäldchen in der Dong, nahe der Mühle. Die Erwartungen der Kinder sind hoch. Die Spannung ist spürbar, denn es geht um die Natur vor der Haustür und den darin lebenden Wildtieren. Für die Lehrerinnen Ursula Fitze und Deborah Bizjak ist der Besuch der Rollenden Waldschule der Kreisjägerschaft Wesel ein willkommenes Medium, Wissen um die Natur, den Wald, die Säugetiere und die Vogelwelt zu vermitteln. „Das ist kostbares Wissen, das wir da von wirklichen Naturexperten erfahren“, sagt Deborah Bizjak.
Die Rollende Waldschule kommt zum wiederholten Mal an die Tersteegenschule. Ging es im Klassenraum zunächst um die Vermittlung von Wissen, Informationen zu den Tierfamilien von Fuchs, Eichelhäher und Eule, so steht mit dem nächsten Schritt die Erkundung des Lebensraumes Wald im Mittelpunkt. „Wir gehen jetzt in den wildesten Wald und in keinen übersichtlichen Park“, verspricht Försterin Karin Leisten, die seit Jahren als zertifizierte Waldpädagogin mit der Rollenden Waldschule im Kreis Wesel verschiedenste Einrichtungen anfährt.
Ihr zur Seite stehen in der Dong erfahrene Grünrocke mit ihren vierbeinigen Helfern. Gleich zu Beginn erklingen die Jagdhörner, deren Geheimnis es ist, so teilt es Jäger Peter Berg den Kindern mit, dass diese in der Postkutschenzeit als Kommunikationsmittel galten. Schnell wird den Kindern klar, diese Exkursion in den Wald wird besonders sein.
Aufgeteilt in kleine Gruppen, geht die Pirsch los, über Stock und Stein, über Herbstlaub und Totholz und vorbei an Brombeerranken. Schon nach wenigen Metern zeigt sich der Reiz des Pirschganges. Ein bisschen versteckt in einer Astgabel entdecken die Kinder ein Eulenpräparat. „Ist das Fake oder echt“, kommt spontan aus dem Kindermund. Anlass für die begleitenden Jägerinnen und Jäger, den Gruppen nochmals Wissen zu vermitteln oder abzufragen. Wer das Umfeld genau beobachtet, entdeckt dann auch Dachs, Eichelhäher, Reiher und den Fuchs. „Der fühlt sich voll flauschig an“, so die Kinder nach dem Streicheltest. Anders ist dagegen das Haarkleid des Dachses.
Es geht um den Wald als Naherholungsort, den Lebensraum der Tierwelt oder aufgeschichtete Holzhaufen. Aber warum Bäume überhaupt abgeholzt werden, schließt sich als nächste Frage an. Jäger Harald Jurkovic unterstützt Karin Leisten in ihrer waldpädagogischen Arbeit. „Gerade ein solcher Gang in den Wald macht neugierig. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die Kinder mit ihren Eltern einen Waldspaziergang machen werden, um ihr neues Wissen zu präsentieren.“ Er hat auf abgebissene Triebe und Zweige, so genannte Verbissstelle, aufmerksam gemacht. „Damit wissen wir, in diesem Wald leben Rehe.“
Jäger Georg Krebber bezeichnet diesen Ausflug als nachhaltig. „Er wird in Erinnerung bleiben.“ Mehr als zehn Tierpräparate lieferten neues Wissen und machten den Pirschgang so spannend. „Wir werden im Sachkundeunterricht all diese Entdeckungen nachbereiten“, sagt Ursula Fitze zum Ende des Ausflugs. Der Wechsel zwischen Entdecken, Ruhe zeigen und dem Bedürfnis, sich in der freien Natur zu bewegen, macht den Vormittag so interessant. „Wir wissen, wo der Schlafplatz der Rehe ist“, erklären Levke und Marla.
Von Karin Leisten und ihrem Team gibt es für die Kinder zum Schluss nochmals ein dickes Lob und zum Abschied das passende Jagdhornsignal. Die Rollende Waldschule mit der pädagogischen Ausrichtung „Lernort Natur“ ist im Kreis Wesel an Schulen und Kitas, bei Pfadfindergruppen und Senioreneinrichtungen aktiv. Auf Stadtteilfesten gilt das Waldmobil mit einer Auswahl an Präparaten und weiterem Zubehör als Gästemagnet, so bei der Laga in Kamp-Lintfort. 2025 erhielt die Rollende Waldschule den Rheinberger Heimatpreis. Ansprechpartnerin Karin Leisten ist erreichbar unter 02844 908210.(sabi me)
Der Artikel mit Bild wurde am 28.02.2026 in der Rheinische Post, Neukirchen-Vluyn, veröffentlicht

Wie so eine Pirsch vorbereitet wird, darüber informiert Sie das nebenstehende kleine Video:
